Der Kinderarztbesuch – eine Inspirationsquelle

Schon als ich das erste Mal eine Kinderarztpraxis mit Lene betrat wusste ich: Der Kinderarztbesuch wird etwas werden, worum ich mich mit Nico streiten werde. Also darum, nicht die A-Karte zu ziehen, mit dem Kind hier her zu gehen. Lieber unterziehe ich mich persönlich beim Zahnarzt meines Vertrauens einer Wurzelbehandlung, als hier zu warten. Das liegt nicht nur an der Warterei und auch nicht an der langen Wartezeit, sondern in erster Linie an den Wartenden. Obwohl. Wenn man Sozialstudien betreiben möchte, ist man hier genau richtig. Gleich neben der Gelegenheit, sich einen 1A-Noro-Virus einzufangen (selbst ausprobiert).

Doch zurück in die Kinderarztpraxis, in der ich gerade mit Lenchen und ihrem Husten sitze. Der Geräuschpegel ist so hoch, dass man denkt, man sei in einer Kita. Ich muss schon genau hinhören, um herauszufinden, wen Frau Doktor als nächstes in ihr Sprechzimmer bittet. Die Namen der trotz Krankheit erstaunlich energetischen Kinder kann ich hingegen in Kürze aus dem Effeff. Besonders die derer, die am energetischsten spielen, andere Kinder vom Schaukelpferd schubsen oder ihnen die Teller aus der Spielküche klauen. Heute führt „Adi“, dessen Mutter keine Scham zeigt, den Spross immer wieder lautstark zu ermahnen, die Highscoreliste an.

Neben mir sitzt eine Mutter mit vor mehreren Monaten blondiertem Haar und ich habe noch nicht herausgefunden, mit wie vielen Kindern sie nun eigentlich da ist. Ich weiß nur, dass Jason, ihr ältester, offenbar schon ein Schulkind, nach Katzenklo riecht und zu seinem kleinen Bruder eine Geste macht, die so viel bedeutet wie „Es gibt Dresche“. Nette Familie, denke ich. Vielleicht bedeutet diese Geste bei denen ja aber was ganz anderes. Sowas wie: „Nachher spielen wir eine schöne Partie Baseball zusammen.“ Oder „Du bekommst bestimmt auch mal so große Hände wie ich.“ Ich schrecke aus meinen Überlegungen auf. Gerade versucht Anthony, 4, meiner Lene an die Nase zu fassen. Wahrscheinlich darf der das bei seiner kleinen Schwester (die Gesichtszüge lassen keinen Zweifel daran, dass es seine Schwester ist), aber nicht bei meinem Kind! Kontaminierungsalarm – Virengefahr! Alle Alarmanlagen in meinem Kopf gehen an. Nein! Rufe ich. Und füge, ob des verdutzten Gesichts des Steppkes, etwas sanfter hinzu: „Sowas macht man nicht.“ Das Argument zieht, der Kleine trollt sich und ich habe, klein Lenchen auf dem Arm, wieder Gelegenheit, die anderen Kinder und ihre Eltern zu beobachten. Zum Beispiel die Mutter mit der Amy Winehouse-Gedächtnisfrisur, die mit ihrer fünfjährigen Tochter da ist. Die Kleine muss artig sitzenbleiben, nachdem sie in der Spielküche einem anderen Kind den Topf weggenommen hat. „Du blamierst mich nicht nochmal“ sagt Amy zu dem Mädchen, das nun den anderen Kindern beim Spielen zugucken muss.

John ist zum Spielen noch zu klein. Der eine Woche alte Säugling ist gerade mit seiner Mama zur U 3 angerückt. Mama hat auch gleich noch ihre andere Tochter mitgebracht, die wiederum erst vorgestern ihre Tochter Brenda entbunden hat und nun zur U2 vorstellig wird. Verwirrt? Das war ich anfangs auch, aber angesichts der Kuriositäten im Wartezimmer doch nur eine kleine Nummer von vielen.

Jasons  Familie wird aufgerufen. Es stellt sich heraus, er hat noch drei Geschwister. Die beiden aschblonden Mädchen folgen Frau Doktors Ruf artig. Justin, der Jüngste, ziert sich noch ein wenig. Kurzerhand packt Jason ihn am Ohr und zerrt ihn ins Behandlungszimmer. Die Mutter lässt es kommentarlos geschehen. Nette Familie, denke ich wieder.

Adi motzt inzwischen vor sich hin, weil seine Mutter ihm trotz mehrfacher Warnung das Handy, das er sich aus ihrer Tasche genommen und Klingeltöne ausprobiert hat, wieder weggenommen hat. Die Sprechzimmertür geht auf. „Die Lene“ wird hereingerufen. Tja, dann muss ich wohl. Und das, wo es hier gerade so spannend wird. Vielleicht werde ich mich doch darum reißen, in Zukunft mit unserer Tochter zum Arzt gehen zu dürfen.

Babyclubs – für die Kunden von Morgen

Die gesamte Konsumwelt freut sich auf Nachwuchs. Klar, denn Nachwuchs bedeutet: Neuer Kunde. Und auch zukünftige und frisch gebackene Mamas werden mit Freude als Kunden umhätschelt. „Kommen Sie in unseren Babyclub!“, werben insbesondere große Drogerieketten. „Hier gibt es was umsonst“, scheinen sie zu sagen. Und da man als junge Mama in Elternzeit eines kaum hat, dann ist das Geld. Also gesagt, getan. Den Anfang machte ich im Rossmann-Babyclub. Als Begrüßungsgeschenk bekam ich einen Din A4 großen, rund fünf Zentimeter hohen Karton überreicht. Wie ein Westpaket hab ich das Päckchen noch in der Straßenbahn aufgemacht. Darin befand sich: ein Probetübchen Pflegelotion für Babys, ein oranges Kuscheltuch mit Gesicht fürs Baby, eine Probepackung Feuchttücher für den Babypo, ein Probetübchen Pflegelotion für die Mama, ein Couponheft mit Rabatten auf Babyprodukte und vieeele viele Werbe-Postkarten für neue Pflegeprodukte. „Das hat sich ja gelohnt!“, dachte ich erfreut und registrierte mich noch am gleichen Tag für den dm-Babyclub. Diesmal bekam ich einen quadratischen, fünf Zentimeter hohen Karton überreicht. Noch in der Filiale riss ich das Paket auf. Es enthielt: ein Probetübchen Pflegelotion für Babys, ein grünes Kuschelalien mit Rassel und Gesicht fürs Baby, eine Probepackung Feuchttücher für den Babypo, ein Probetübchen Pflegelotion für die Mama, ein Couponheft mit Rabatten auf Babyprodukte und vieeele viele Werbe-Postkarten für neue Pflegeprodukte.

In meiner Euphorie erzählte ich meiner Freundin und Babyschub-Kameradin Mona*, deren Sohn einen Monat jünger ist als Lene, stolz von meiner Ausbeute. „Ach“, sagte sie, „da bin ich auch.“ Außerdem noch bei Hipp und bei Milupa, wo es jeweils ein Lätzchen, einen Löffel und zwei Probegläschen zur Begrüßung gab, bei Bebivita, wo ebenfalls zwei Probegläschen bei raussprangen und bei Schlecker. Dort habe es zur Begrüßung allerdings nur eine Probepackung Feuchttücher und eine Tafel Schokolade gegeben. Ganz klar: Mona hatte es sich zum Hobby gemacht, sich in Babyclubs anzumelden. Mehr noch: Sie sei damit sogar schon so beschäftigt, dass sie überhaupt nicht mehr hinter  komme. So habe ihr Freund Leo auch inzwischen die Aufgabe übernommen, sich bei den führenden Babymarken zu registrieren. SO zum Beispiel bei Real. Da habe es niedliche Pampers-Söckchen dazu gegeben. Inzwischen habe auch ich mich bei Real registriert du kurz darauf mein Begrüßungspaket – natürlich mit Söckchen – bekommen. Ich hab zwar im Umkreis von 15 Kilometern keinen Real-Markt und werde wahrscheinlich nie in den Genuss kommen, die schönen Rabattmarken, die mir regelmäßig zugeschickt werden, einzulösen. Aber egal. Was tut man nicht alles. Für Babysöckchen, Feuchttücher, ein Probetübchen Pflegelotion für Babys, eine Probepackung Feuchttücher für den Babypo, ein Probetübchen Pflegelotion für die Mama, ein Couponheft mit Rabatten auf Babyprodukte und vieeele viele Werbe-Postkarten für neue Pflegeprodukte. Solange es was umsonst gibt…

* Namen von der Redaktion geändert

Stilldemenz

Ich sage es ja nur ungern, aber: Stillen macht dumm. Stillen macht vergesslich. Man denkt nur noch an (seinen eigenen) Brüste und selbst da weiß man nicht, welche denn nun eigentlich zuletzt dran war. Meine Theorie ist: Mit der Milch saugt der kleine Vampir namens Lene auch noch Hirnmasse in sich hinein. Das ist einerseits gut, schließlich wird unser Baby dadurch quasi schlau durch Muttermilch. Nur doof, wenn sich das umgekehrt proportional auf meine eigene Intelligenz auswirkt. Soweit soll es nicht kommen! Ich soll mein Gehirn auf Trab halten. Gesagt, getan. Ich mache heimlich Wissenstests. Schaue – so es nur geht – Wer wird Millionär und freue mich nahezu triumphal über jede richtig beantwortete Frage. Ich spiele heimlich „ich packe meine Koffer und nehme mit…“. Irgendwie landen immer nur Babysachen im Gepäck. Aber egal, der Zweck heiligt die Mittel.

Ich habe angefangen, den letzten Studenten in meinem Freundeskreis ihre Haus-, Magister- und sonstige Abschlussarbeiten Korrektur zu lesen. Nun weiß ich alles über die Theorien des Völkischen, über Casper David Friedrichs Werke und über das Orakel von Delphi. Nun hoffe ich, dass ich die Doktorarbeit meiner Freundin Libby Korrektur lesen darf. Wenn das Kind also irgendwann seinen Doktor macht, dann kenne ich die Ursache dafür. „Sie hat das mit der Muttermilch aufgesogen“, kann ich dann stolz sagen. Die Sache hat nur einen Haken. Libby ist leider noch im Anfangsstadium ihrer Dissertation. Bis es soweit ist, wird es also noch so drei, vier fünf Jahre dauern. Wenn ich bis dahin weiter stillen muss, muss ich noch eine Menge Koffer packen. Und so viel Babysachen hab ich dann doch nicht…

Mittagsschlaf

Der Mittagsschlaf ist essentiell für das Kind – und natürlich für Mama und Papa. Deshalb ist es nicht ganz uneigennützig, wenn ich hier Tipps gebe, die anderen Erziehungsberechtigten den Eintritt in den Mittagsschlaf (des Kindes natürlich) erleichtern soll.

  1. Lernen Sie, zu erkennen, wenn ihr Kind müde ist. Spätestens, wenn es sich die Augen reibt, sollten Sie es ins Bett legen. Wischen Sie Ihrem Kind dann allerdings zunächst den restlichen Mittagsbrei aus dem Auge.
  2. Ins Bett gehören weder Spielzeug noch Alltagsgegenstände. Klauben Sie Ihrem Kind also die Tischdecke aus der Hand, die es auf dem Weg aus dem Stühlchen ins Schlafzimmer mitgenommen hat.
  3. Zum Schlafen leichte Kleidung verwenden. Versuchen Sie, ihrem sich windenden, vor Müdigkeit heulenden Kind zumindest die Hose und den Pullover auszuziehen.
  4. Ein Nucki beruhigt das Kind. Helfen Sie ihrem Kind und stecken Sie ihm das Utensil in den Mund, wenn es es verloren hat. Auch, wenn Sie dies nun schon zum sechsten Mal innerhalb der letzten Minuten  getan haben.
  5. Bleiben Sie ruhig und tun Sie so, als würden Sie schlafen. Schimpfen Sie nicht so laut, wenn Ihr Kind dies als Anreiz nimmt, Ihnen durch die Gitterstäbe hinweg an den Haaren oder an der Nase zu ziehen.
  6. Nähe beruhigt. Nehmen Sie das Kind zu sich ins Bett und kuscheln Sie es in ihre Arme. Wachen Sie wieder auf, ehe Ihr Kind, das sich während ihres kurzen Schlafs aus dem Staub, gemacht hat, die Bettkante erreicht hat.
  7. Ein zu langer Mittagsschlaf hat negative Auswirkungen auf die Nachtruhe Ihres Kindes (und somit auf die eigene!). Stellen Sie sich einen Wecker. Ja, ich weiß, Sie haben gerade mal fünf Minuten abschalten können. Aber Sie können ja vielleicht morgen wieder Mittagsschlaf machen. Oder übermorgen. Übrigens: Wird eh überbewertet, der Schlaf!

Ein romantischer Abend

Urlaubszeit! Zeit für die Familie, Zeit für Zweisamkeit. Wir haben uns für eine Auszeit im malerischen Potsdam entschieden. Das verliebte Paar zieht alle Register. ER zeigt ihr voller Stolz das Schloss Sanssouci, SIE bewundert ihn für seine gute Bildung (und lobt sich selbst für ihren guten Männergeschmack). Das Baby schläft friedlich im Kinderwagen. Seinen Höhepunkt soll der Tag bei einem romantischen Abendessen finden. Nicht irgendein Essen in irgendeiner X-beliebigen Kneipe, sondern ein Dinner bei Kerzenschein im besten Restaurant am Platze. Beziehungsweise auf dessen Freisitz, denn die laue Sommernacht gibt es gratis dazu.

Um sieben Uhr also macht sich unser Paar auf dem Weg ins „Ox-Hoft“. Zu Fuß, so hat das Kind Gelegenheit, sanft zu entschlummern. Eine Gelegenheit, die es nicht wahrnimmt. Selbst nach einer Extra-Runde rund um das Viertel des Restaurants später ist Lene hellwach und schaut sich mit babyblauen Augen neugierig um. Die weißbeschürzten Kellner haben extra einen Tisch freigeräumt, es bleibt keine Zeit mehr für weitere Spaziergänge. Also Augen zu und durch, zwei  Erwachsene und ein Kinderwagen nehmen am Tisch Platz. Am Nebentisch werden schwere Themen konversiert. Viel Kultur ist dabei und auch ein bisschen Politik. Mit einer Hand schaukelt SIE den Kinderwagen, mit der anderen hält sie die übersichtliche Speisekarte, auf der vier hocherlesene Speisen aufgelistet sind. Sie entscheidet sich für die Pouladenbrust an Lavendelpolenta und Weinschalotte. ER gibt sich patriotisch, wählt Wiener Schnitzel mit Beelitzer Spargel und teilt die Wünsche so leise wie möglich der Kellnerin mit. Das ist eigentlich unnötig, denn das Kind ist immer noch wach. Ein Windhauch schleicht über den Tisch und lässt die Servietten einen Augenblick schweben. Der Himmel verdunkelt sich. Lenes Miene verdunkelt sich auch. Denn Mama und Papa grinsen sich blöde an und beachten sie nicht. Und die alte Klapper, die könnense nun auch steckenlassen!

Inzwischen ist es halb neun. Die Kellnerin kommt und bringt die Getränke. Weist darauf hin, dass es Regen geben soll am Abend, laut Wetterbericht. Ein Blick in den Himmel wird durch noch größere dunkle Wolken gebremst und durch einen weiteren Windhauch wackeln die Servietten schon ein bisschen mehr. Die Klapper fällt auf den Boden. Unsere erwachsenen Protagonisten wissen nun nicht, was sie mehr fürchten sollen: ein plötzlich aufziehendes Unwetter über ihrem romantischen Freisitz oder die wachsende Ungnade ihres Sprösslings. Sie nimmt das Kleine aus dem Wagen und ihr schlechtes Gewissen flüstert ihr mit einem Megaphon die Gedanken der Gäste von den Nebentischen direkt in ihren Kopf: „Rabeneltern! Nehmen ihr Kind mit ins Restaurant! Schämen sollen sie sich! Um die Zeit! Das Kind gehört ins Bett! Hoffentlich plärrt das Balg nicht gleich los!“

Sie ergreift die Flucht ins Restaurant, das übrigens menschenleer ist, und versucht das Baby zu bestechen. Milch gegen Schlaf. Milch nimmt es. Schlafen will es nicht. Das Essen kommt. Kleine Portionen auf riesigen Tellern. Das Paar überlegt es sich, nachdem die Kellnerin alles schön auf weißem Tischtuch drapiert hat, anders. Und lässt nun doch drinnen auftischen. Wegen des drohenden Unwetters und der drohenden kindlichen Ungnade. Das Essen schmeckt vorzüglich, Lene lässt Gnade walten und macht nur zweimal „Möp“. Das Paar zahlt eine hohe Rechnung und verlässt das Restaurant. In dem Moment bricht der Regen los. Sie rennen, den Kinderwagen vor sich herschiebend, durch Potsdamer Straßen. Dem Kind gefällt´s! Was für ein romantischer Abend, inklusive Sommerregen!

 

PS: Kind schläft zu Hause im Reisebett erschöpft ein.

Nachtmonolog

Tja. Nun lieg ich hier. Es ist drei Uhr. NATÜRLICH ist es Nacht. NATÜRLICH ist das Schlafenszeit. Finde ich. Findet Lenchen nicht. Da! Da war es schon wieder. Das Geräusch, das mich eben aus meinem eh schon überempfindlich leichten Mutterschlaf gerissen hat. Ein herzhaftes Gähnen! So fängt es immer an. Brrrrrrrrrrrrrrr! Tönt es wenige Minuten später. Ich reagier gar nicht! Ignorieren, hab ich mir geschworen! Dieses Mal werde ich mich einfach umdrehen und überhaupt keine Notiz von diesem Schauspiel nehmen. „Huiiiiiiiiiiiiiiiijaa!“ macht´s und strampelts. „Hujaaaaaaaa ha!“ Um das Schnarchen auf der anderen Seite neben mir nicht zu unterbrechen, gebe ich nach – wie jede Nacht – und hebe den kleinen Störenfried über unsere Begrenzung hinweg auf meine Seite des Bettes. Welch Freude strahlt mir aus großen Knopfaugen entgegen, begleitet von einem Jauchzer und erneutem Strampeln. Ich umarme die kleine Wuselbiene, halte ihre Füße fest und atme betont ruhig – ja ich stelle mich schlafend! Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen – uff! Eines ihrer Füßchen konnte sich befreien und  landete umgehend in meinem Bauch. Der andere tut´s ihm nach. Wieder erfreutes Juchzen! Nach dem fünften Tritt erkläre ich das Experiment „Mit Kuscheln zum Schlaf“ als gescheitert und lege den Unruhegeist zurück ins eigene Bettchen. Protestgebrabbel macht sich breit! „Dann gib ihr doch was“ brummelt es zwischen zwei Schnarchern links neben mir. „Es gab vor 20 Minuten was“ zische ich zurück, doch der Adressat hat sich schon wieder in seine Träume zurückgerettet und hört mich gar nicht mehr.

Ich hab mir inzwischen wieder mal Ignoranz geschworen und mich demonstrativ umgedreht. Der Protest schwillt an und droht in zusammenhängendes Beschwerde-Greinen überzugehen. „Wenigstens Händchenhalten!“, bettelt es. Also gut! Die Müdigkeit scheint durch meine Hände in kleine Händchen überzugehen und zeigt sich erneut durch herzhaftes Gegähne. Doch noch will sich Lenchen nicht in dieser Schlacht geschlagen geben und wehrt sich noch mit Händchen und Füßchen gegen den Schlaf, dreht sich hin und dreht sich her und schleudert jedes Mal ihren kleinen Schlenker-Hasen mit sich herum. Doch irgendwann wird es wieder ruhiger im Schlafzimmer, wir beide lauschen offenbar gebannt dem Schnarchen links neben mir. Und im Einschlafen schwöre ich mir! Nächste Nacht bleibe ich standhaft. DANN ignorier ich sie! Wirklich!

FAQ für Babys

Heutzutage braucht man eigentlich auch nicht seinen Wohnraum mit Büchern zustellen, man kann auch einfach googeln. Werdende Mütter geben als häufigstes Wort „schwanger+ XYZ“ ein. So hab ich zum Beispiel nach folgenden Dingen gesucht: Schwanger+Trockenfrüchte, Schwanger+Haare färben, Schwanger+Sport, Schwanger+Ananas, Schwanger+Kaffee, Schwanger+Honig, um nur einige Suchanfragen aus meiner Google-Suchchronik  zu zitieren. Nach der Geburt wird dann Schwanger+xyz  durch Baby(+x Monate) +xyz  ersetzt. Zum Beispiel „Baby + 2 Monate + weint bei Papa, Baby allein einschlafen, Baby Zahnen Dauer, Baby 4 Monate immer müde, Baby kein Stuhl, Baby Rillen auf Fingernägeln. Und das witzige ist, dass man zu allen diesen Begriffen auch tatsächlich ebensolche Fragen in Elternforen, Arztsprechstunden, Baby-Communities und dergleichen findet. Sooo abwegig kann also die eigene Frage gar nicht sein. Vielleicht sollte man einfach mal eine Website mit den wichtigsten Schwangeren- und Baby-FAQs erstellen. Es gibt offenbar keine dummen Fragen – und auch die Antworten sind nicht dumm. So wird das das ganze Leben weitergehen, eigentlich ist quasi das ganze Leben schon durch Google vorgeprägt. Die häufigsten Sucheinträge in Lenes Entwicklung: Kleinkind + Trocken werden, Kindergartenkind + Mumps, Schulkind + Bauchweh, Teenager + Pickel, Student + Partys, Absolventin + Job, Schwanger + ….

Und schon beginnt der Kreislauf von vorn. Google sei Dank!