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Vater werden ist nicht schwer…

…Vater sein dagegen sehr. So heißt es zumindest im Volksmund. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Auch das Vaterwerden hat so seine Tücken. Und damit meine ich jetzt nicht einmal die Geburt an sich! Da ist ja das Credo „Weggucken!!!“ gefolgt von „Bloß nicht zu persönlich nehmen, was die da die ganze Zeit brüllt, sie meint es ja gar nicht so und hat sicher so ihre Gründe dafür.“

Nein, vielmehr meine ich die Zeit davor. Da nimmt das Verhalten des zukünftigen Vatertiers manchmal schon komische Züge an.  Bei Nico wechselten sich Besorgtheit („Hast du schon deine Tasche gepackt?“  – im 6. Monat!) mit Ungeduld („Wann ist es denn endlich soweit???? Ich will, dass unser Kind jetzt kommt!“ – im 7. Monat) ab. Alles war bereits besprochen: Wen er wann darüber informieren würde, dass es jetzt losgeht und die Pullerparty demzufolge am kommenden Wochenende steigen kann. In der Theorie war alles so straff organisiert,  dass ich mir sicher war: Nico würde – nachdem er alle Eltern, zukünftigen Patentanten und Freunde des Nachtens aus dem Bett geklingelt hatte, um ihnen mitzuteilen, dass „es“ jetzt „losgeht“ – total aufgeregt und in Vorfreude auf seine Tochter ins Krankenhaus fahren und dort bemerken, dass er mich samt Kullerbauch ja zu Hause vergessen hat.

Die Realität sah dann – zugegebenermaßen – ein wenig anders aus. Nachdem er sich ja bereits seit der ersten Wehe um 5:44 Uhr daran gewöhnen konnte, dass es „gleich“ losgeht („Nach dem Frühstück fahren wir in die Klinik und bekommen endlich unser Baby“), ging es ja Mittags immer noch nicht los und nachmittags auch noch nicht. Da konnte man dann ja doch ein wenig durchatmen, sich ein Bierchen gönnen und – unterbrochen vom viertelstündlichen sanften „Maaah“ (die esoterisch angehauchte Hebamme hatte geraten, bei Wehen zu tönen, um das Kind schon einmal willkommen zu heißen) – ne Runde im Netz surfen. Selbst schlafen ging wohl zuerst noch ganz gut, bis aus dem viertelstündlichen Maaah nach Mitternacht sukzessive aller sieben Minuten ein „MAAAAAAAAAAAAH!!!“ wurde. Doch nichts mit Kopflosigkeit! Er machte sich erst einmal einen Kaffee. „Den trinke ich noch in aller Ruhe aus“, erklärte er mir, während ich schon ruhelos durch die Wohnung lief. Dann klingelte er Marlen aus dem Bett und dann fuhr er den Wagen vor. Als er dann so nachts um zwei die Treppen hochstapfte, um mich ins Auto zu hieven und ich ihn fertig angezogen an der Tür mit einem Röhren begrüßte, fiel ihm wohl ein: „Ich muss nochmal auf die Toilette.“ Und damit meinte er nicht „pullern“!

Das war der Moment, in dem ich dachte, es würde wohl doch eine Hausgeburt werden. Doch zum Glück kann sich Nico nicht nur am Telefon kurz fassen, sodass wir tatsächlich – begleitet von vielen „MAAAAAAAAHs!!!“ noch rechtzeitig im Krankenhaus ankamen. Wenn er gewusst hätte, dass sich unser Kind dann doch noch zwölf Stunden Zeit lässt, hätte er sich bestimmt doch nochmal aufs Ohr gehauen. So aber musste er dann mit durch, durch das Vater werden. Na, wenigstens hat er sich an die Credos gehalten. Oder bist du mir etwa noch böse, Schatz? 🙂

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Das Baby – ein ideales Geschenk

So ein Baby ist ein wahres Geschenk. Das wissen wir ja nicht erst seit gestern. Dieser Satz ist eigentlich schon zu einer Floskel geworden. Dabei meine ich ihn nicht rein pathetisch, sondern eher pragmatisch. Um es mit den – nicht ganz ernst zu nehmenden – Worten meines liebenswürdigen Bruders und seiner Freundin zu sagen: „Ihr habt euch doch nur ein Baby angeschafft, um euch in den kommenden Jahren keine Sorgen um Weihnachtsgeschenke für die Familie machen zu müssen.“ Genau! Denn womit kann man Oma-, Opa-, Uroma- und Uropaherzen sowie die aller anderen Familienmitglieder (mein Bruder und Freundin hiermit ausgeschlossen) unter dem Weihnachtsbaum mehr in Verzückung bringen als mit niedlichen Babyfotos sowie Dingen, die aus diesen gemacht sind. Die Palette ist riesig dank moderner Drucktechnik. Es gibt kaum einen Alltagsgegenstand, von dem das süße Gesicht unseres Kindes nicht strahlen könnte. Da gibt es Tassen, Kuschelkissen, T-Shirts, Platzdeckchen-Sets, Einkaufstaschen, Decken, Kulturbeutel, Schürzen, I-Phone-Hüllen, Schmuckkästchen, Untersetzer, Liegestühle, Puzzlespiele, Sitzsäcke, Raumteiler, Kühlschrankmagneten, Geschirrtücher, Wäschesäcke, Duschvorhänge, Tischdecken… Einfach alles. Ich wette, man kann Lene sogar auf eine Klobrille drucken lassen. Auf Klopapier. Und ich stelle mir vor, wie das wäre, in einem Haus zu leben, das von oben mit unten mit dem Counterfeit unseres Babys bedruckt wäre. So süß Lene ist – ich glaube, das hätte etwas von einem Panoptikum.

Dennoch. Recht hat er irgendwie schon, mein Bruder. Zumindest in diesem Jahr sind unsere Weihnachtsgeschenke „mit Lene“. Wir schenken einen schnöden Fotokalender mit Bildern aus ihrem ersten Jahr. Und ein Buch mit Geschichten über sie und uns. Liebe Eltern, Großeltern und andere Anverwandte: Keine Angst. Im nächsten Jahr gibt´s wieder was Richtiges!

Oma, komm bald wieder

Wenn die Oma kommt, ist das ein ganz besonderes Ereignis. Ich hab mich immer gefreut, wenn meine eigene Oma zu Besuch kam und hab dem Haustürklingeln oder dem Geräusch des grünen Trabbis immer schon entgegen gefiebert. Ein bisschen was scheint unser Lenchen auch von mir zu haben, denn als neulich ihre Omi – meine Mama – zu Besuch kam, strahlte das Kind von einem Ohr zum Anderen und ließ sich, Fremdeln hin oder her, auch ohne Probleme von ihr bespaßen.

Doch nicht nur das. Beim Thema Schlafen zeigte sich unsere Lene nicht nur artig, sondern wie ein wahres Deckchen. Hatte sie am vorherigen Tag zum Mittagsschlaf ein riesen Böckchen bekommen (jaaa, wir befinden uns bereits in der Phase, in der das Kind seine Grenzen austestet), so machte sie beim Mittagsschlaf in Gesellschaft der Oma nach kurzen Kletterversuchen über selbige bereitwillig die Augen zu und schnorchelte zufrieden vor sich hin.

Getoppt wurde dieses erstaunliche Erlebnis aber noch von dem in der darauffolgenden Nacht. Da unsere Wohnzimmercouch nicht besonders rücken- und somit auch nicht „Oma“-freundlich ist und Nico außerdem nach seinem Spätdienst noch mehrere Stunden zum Herunterfahren braucht, quartierten wir den Mann kurzerhand aus dem Schlafzimmer aus und die Oma dort ein (wer jetzt sagt, das sei herzlos, dem sei verraten, dass diese Idee von der Person mit dem Y-Chromosom stammte).  Wir wiesen jedoch die Oma darauf hin, dass es eine kurze Nacht mit sehr sehr wenig Schlaf werden würde. Immerhin haben wir in den neun vorangegangenen Monaten ausreichend Erfahrung für den Beleg dieser Behauptung sammeln können.

Doch es kam alles ganz anders. Wenn uns in dieser Nacht etwas geärgert hat, dann war es keinesfalls das Lenchen sondern böser böser Husten von der Mama! Während der Schlaf in  der Nacht zuvor noch von zahlreichen Unterbrechungen – AUCH krankheitsbedingt – und einem Ende der Nacht um fünf Uhr früh gekennzeichnet war, zeigte sich Lene in dieser Nacht gnädig und schlief von null Uhr bis 6 Uhr durch, verlangte dann eine kleine Mahlzeit und schlief weiter bis 7.45 Uhr. Als sie uns um 7.45 Uhr freudestrahlend weckte, strahlte ich zurück! So lange hatte ich, seitdem sie mich morgens immer anstrahlt, noch schlafen dürfen! Meine Euphorie kannte kaum Grenzen!

Das einzige, was ich dazu zu sagen habe ist: Komm bitte bald wieder, liebe Oma! Du bist – und das ist ausnahmsweise mal ein Kompliment – ein tolles Schlafmittel!

Der Mann, der nach der Mona kam

Wie schnell die Zeit im Elternjahr vergeht, habe ich erst kürzlich schmerzlich feststellen müssen. Meine Freundin Mona*, deren kleiner Sohn Liam einen Monat jünger ist als Lene, hat nach einem halben Jahr ihre Arbeit als Vollzeitmama bereits wieder gegen ihre richtige Arbeit eingetauscht. Die andere Hälfte des Jahres wird ihr Verlobter Leo sich um Liam kümmern. Obwohl ich Leo sehr mag – er ist ein langjähriger Freund von mir – war ich zunächst etwas geknickt. Ein halbes Jahr lang war ich schließlich mit Mona in regelmäßigen Abständen spazieren gegangen. Dabei hatten wir uns über die vielen typischen frisch gebackenen Mamaprobleme ausgetauscht. Wir hatten über Windelgrößen gefachsimpelt, uns gegenseitig die besten Tricks zur Beikosteinfrostung verraten, uns unser Leid über Geber ungebetener Ratschläge geklagt, uns gemeinsam über das erste Zähnchen unserer Kinder gefreut und uns gegenseitig Mut gemacht, wenn die Entwicklungsschübe der Kleinen uns mal wieder nicht haben schlafen lassen. Und nun sollte das alles vorbei sein? „Du kannst doch auch mal mit Leo und Liam spazieren gehen“, hatte mich Mona zum Schluss zu trösten versucht. Aber ein Mann hat doch mit Sicherheit keine Lust, mit mir über Babykotze zu plauschen. Erst recht keiner, mit dem ich früher auf Festivals gefahren bin, den ich habe bei der Rocky Horror-Show-Party im Korsett und auf Highheels über den Laufsteg stolpern sehen und der in jeder Lebenslage das passende Manowar-Zitat parat hatte. Dennoch lasse ich mich schon kurz darauf auf das Experiment ein.

Lene ist noch skeptischer als ich. Sie lässt sich auch nicht von der babyspracheverstehenden Fassade des Onkels, der da in ihren Kinderwagen hineinlugt, täuschen. Da kann er noch so komische Grimassen ziehen und behaupten, der Liam würde darüber lachen! Sie fängt an zu heulen.

Wir versuchen es mit Alltagsgesprächen. „Ich habe gerade einen riesigen Topf Apfel-Bananen-Birnenbrei gekocht“, erzählt Leo. Und dann sind wir auch schon mittendrin im Austausch von Rezepten. Erbsen, Brokkoli oder eine Kombination aus Möhren und Gurke – im Prinzip, so die Quintessenz unseres Gesprächs, könne man ja alles, was sich Gemüse schimpft, durch den Pürierer jagen.

Während wir Lene und Liam durch den Park schieben, kommen wir von einem Thema ins nächste. Gebrüll beim Einschlafen, extralange Plastiklöffel, die auch in die Tiefen jedes noch so großen Breiglases vordringen und die Tatsache, dass Liam am Tag gut ein dreiviertel Kilo Essen wegmampft lassen mich zu dem Schluss kommen: So anders als mit Mona ist es ja eigentlich gar nicht. Mit Mittagsschlafzeiten, Windelinhalt und Babygequängel kennt er sich genauso gut aus. Als wir uns verabschieden, grinst Lene Leo an. Und wir alle wissen, was sie uns sagen will. Nämlich: „Mama, der Typ da ist akzeptiert!”

 

*Namen von der Redaktion geändert

NuckinirWahna

Ein Accessoire darf in kaum einem Baby-Haushalt fehlen: Der Nucki. Auch Boppi, Schnuller, Nupsi oder im Verkaufsdeutsch „Beruhigungssauger“ genannt.

Mit Nuckis ist das so wie mit Haargummis. Wenn man sie nicht braucht, liegen sie überall in der Wohnung herum und wenn Schreihals danach verlangt, um sein Saugbedürfnis zu befriedigen, ist natürlich keiner zur Hand. Und auch keiner aufzufinden. Wenn Baby zumeist im Schlaf darauf zurückgreifen möchte, empfiehlt es sich, bereits beim Kauf die Nucki-Farbe auf die Farbe des Bettlakens im Kinderbett abzustimmen. So ist er im Dunkeln und wenn es wirklich brenzlig wird, weil schlaftrunkenes Genörgel sonst in wenigen Sekunden zu einem ausgewachsenen Gebrüll umschlägt, leichter zu finden.

Manchmal jedoch sind die Nuckis, die man auf Vorrat gekauft und bereits sorgfältig abgekocht hat, wie vom Erdboden verschluckt. Es sollte einen Nucki-Finder geben. Anfang der 90er-Jahre gab es kleine Schlüsselanhänger, die Alarm gaben, wenn man gepfiffen hat, um den verschollenen Schlüssel wieder zu finden. Wenn so etwas in jedem Nucki integriert wäre, dann wäre mir manchmal sehr geholfen. Wie soll man denn sonst auf die Idee kommen, dass der Sauger für „später“ vom Kind selbst im Ablagefach der Autotür deponiert wurde oder unter der Krabbeldecke, in Papas Hausschuh oder im Trinknapf der Katze? Als ich letztens wieder mal auf der verzweifelten Suche nach einem Nucki war, schob ich in meiner Not das Kinderbett samt heulender Lene beiseite – und was fand ich da? Das Nuckinirwana! Dort tummelten sich die Beruhigungssauger der Größe 1 und 2, aus Latex und aus Silikon, mit Tigerenten-Muster, kleinen Nilpferden, Prinzessinnen, Mickimäusen und Sternchen darauf. Hätte ich doch nur mal im Schlafzimmer gepfiffen, so hätte ich ein wahres Piepkonzert als Antwort erhalten – wenn die Nucki-Technologie bereits soweit gewesen wäre.

Der Kinderarztbesuch – eine Inspirationsquelle

Schon als ich das erste Mal eine Kinderarztpraxis mit Lene betrat wusste ich: Der Kinderarztbesuch wird etwas werden, worum ich mich mit Nico streiten werde. Also darum, nicht die A-Karte zu ziehen, mit dem Kind hier her zu gehen. Lieber unterziehe ich mich persönlich beim Zahnarzt meines Vertrauens einer Wurzelbehandlung, als hier zu warten. Das liegt nicht nur an der Warterei und auch nicht an der langen Wartezeit, sondern in erster Linie an den Wartenden. Obwohl. Wenn man Sozialstudien betreiben möchte, ist man hier genau richtig. Gleich neben der Gelegenheit, sich einen 1A-Noro-Virus einzufangen (selbst ausprobiert).

Doch zurück in die Kinderarztpraxis, in der ich gerade mit Lenchen und ihrem Husten sitze. Der Geräuschpegel ist so hoch, dass man denkt, man sei in einer Kita. Ich muss schon genau hinhören, um herauszufinden, wen Frau Doktor als nächstes in ihr Sprechzimmer bittet. Die Namen der trotz Krankheit erstaunlich energetischen Kinder kann ich hingegen in Kürze aus dem Effeff. Besonders die derer, die am energetischsten spielen, andere Kinder vom Schaukelpferd schubsen oder ihnen die Teller aus der Spielküche klauen. Heute führt „Adi“, dessen Mutter keine Scham zeigt, den Spross immer wieder lautstark zu ermahnen, die Highscoreliste an.

Neben mir sitzt eine Mutter mit vor mehreren Monaten blondiertem Haar und ich habe noch nicht herausgefunden, mit wie vielen Kindern sie nun eigentlich da ist. Ich weiß nur, dass Jason, ihr ältester, offenbar schon ein Schulkind, nach Katzenklo riecht und zu seinem kleinen Bruder eine Geste macht, die so viel bedeutet wie „Es gibt Dresche“. Nette Familie, denke ich. Vielleicht bedeutet diese Geste bei denen ja aber was ganz anderes. Sowas wie: „Nachher spielen wir eine schöne Partie Baseball zusammen.“ Oder „Du bekommst bestimmt auch mal so große Hände wie ich.“ Ich schrecke aus meinen Überlegungen auf. Gerade versucht Anthony, 4, meiner Lene an die Nase zu fassen. Wahrscheinlich darf der das bei seiner kleinen Schwester (die Gesichtszüge lassen keinen Zweifel daran, dass es seine Schwester ist), aber nicht bei meinem Kind! Kontaminierungsalarm – Virengefahr! Alle Alarmanlagen in meinem Kopf gehen an. Nein! Rufe ich. Und füge, ob des verdutzten Gesichts des Steppkes, etwas sanfter hinzu: „Sowas macht man nicht.“ Das Argument zieht, der Kleine trollt sich und ich habe, klein Lenchen auf dem Arm, wieder Gelegenheit, die anderen Kinder und ihre Eltern zu beobachten. Zum Beispiel die Mutter mit der Amy Winehouse-Gedächtnisfrisur, die mit ihrer fünfjährigen Tochter da ist. Die Kleine muss artig sitzenbleiben, nachdem sie in der Spielküche einem anderen Kind den Topf weggenommen hat. „Du blamierst mich nicht nochmal“ sagt Amy zu dem Mädchen, das nun den anderen Kindern beim Spielen zugucken muss.

John ist zum Spielen noch zu klein. Der eine Woche alte Säugling ist gerade mit seiner Mama zur U 3 angerückt. Mama hat auch gleich noch ihre andere Tochter mitgebracht, die wiederum erst vorgestern ihre Tochter Brenda entbunden hat und nun zur U2 vorstellig wird. Verwirrt? Das war ich anfangs auch, aber angesichts der Kuriositäten im Wartezimmer doch nur eine kleine Nummer von vielen.

Jasons  Familie wird aufgerufen. Es stellt sich heraus, er hat noch drei Geschwister. Die beiden aschblonden Mädchen folgen Frau Doktors Ruf artig. Justin, der Jüngste, ziert sich noch ein wenig. Kurzerhand packt Jason ihn am Ohr und zerrt ihn ins Behandlungszimmer. Die Mutter lässt es kommentarlos geschehen. Nette Familie, denke ich wieder.

Adi motzt inzwischen vor sich hin, weil seine Mutter ihm trotz mehrfacher Warnung das Handy, das er sich aus ihrer Tasche genommen und Klingeltöne ausprobiert hat, wieder weggenommen hat. Die Sprechzimmertür geht auf. „Die Lene“ wird hereingerufen. Tja, dann muss ich wohl. Und das, wo es hier gerade so spannend wird. Vielleicht werde ich mich doch darum reißen, in Zukunft mit unserer Tochter zum Arzt gehen zu dürfen.

Babyclubs – für die Kunden von Morgen

Die gesamte Konsumwelt freut sich auf Nachwuchs. Klar, denn Nachwuchs bedeutet: Neuer Kunde. Und auch zukünftige und frisch gebackene Mamas werden mit Freude als Kunden umhätschelt. „Kommen Sie in unseren Babyclub!“, werben insbesondere große Drogerieketten. „Hier gibt es was umsonst“, scheinen sie zu sagen. Und da man als junge Mama in Elternzeit eines kaum hat, dann ist das Geld. Also gesagt, getan. Den Anfang machte ich im Rossmann-Babyclub. Als Begrüßungsgeschenk bekam ich einen Din A4 großen, rund fünf Zentimeter hohen Karton überreicht. Wie ein Westpaket hab ich das Päckchen noch in der Straßenbahn aufgemacht. Darin befand sich: ein Probetübchen Pflegelotion für Babys, ein oranges Kuscheltuch mit Gesicht fürs Baby, eine Probepackung Feuchttücher für den Babypo, ein Probetübchen Pflegelotion für die Mama, ein Couponheft mit Rabatten auf Babyprodukte und vieeele viele Werbe-Postkarten für neue Pflegeprodukte. „Das hat sich ja gelohnt!“, dachte ich erfreut und registrierte mich noch am gleichen Tag für den dm-Babyclub. Diesmal bekam ich einen quadratischen, fünf Zentimeter hohen Karton überreicht. Noch in der Filiale riss ich das Paket auf. Es enthielt: ein Probetübchen Pflegelotion für Babys, ein grünes Kuschelalien mit Rassel und Gesicht fürs Baby, eine Probepackung Feuchttücher für den Babypo, ein Probetübchen Pflegelotion für die Mama, ein Couponheft mit Rabatten auf Babyprodukte und vieeele viele Werbe-Postkarten für neue Pflegeprodukte.

In meiner Euphorie erzählte ich meiner Freundin und Babyschub-Kameradin Mona*, deren Sohn einen Monat jünger ist als Lene, stolz von meiner Ausbeute. „Ach“, sagte sie, „da bin ich auch.“ Außerdem noch bei Hipp und bei Milupa, wo es jeweils ein Lätzchen, einen Löffel und zwei Probegläschen zur Begrüßung gab, bei Bebivita, wo ebenfalls zwei Probegläschen bei raussprangen und bei Schlecker. Dort habe es zur Begrüßung allerdings nur eine Probepackung Feuchttücher und eine Tafel Schokolade gegeben. Ganz klar: Mona hatte es sich zum Hobby gemacht, sich in Babyclubs anzumelden. Mehr noch: Sie sei damit sogar schon so beschäftigt, dass sie überhaupt nicht mehr hinter  komme. So habe ihr Freund Leo auch inzwischen die Aufgabe übernommen, sich bei den führenden Babymarken zu registrieren. SO zum Beispiel bei Real. Da habe es niedliche Pampers-Söckchen dazu gegeben. Inzwischen habe auch ich mich bei Real registriert du kurz darauf mein Begrüßungspaket – natürlich mit Söckchen – bekommen. Ich hab zwar im Umkreis von 15 Kilometern keinen Real-Markt und werde wahrscheinlich nie in den Genuss kommen, die schönen Rabattmarken, die mir regelmäßig zugeschickt werden, einzulösen. Aber egal. Was tut man nicht alles. Für Babysöckchen, Feuchttücher, ein Probetübchen Pflegelotion für Babys, eine Probepackung Feuchttücher für den Babypo, ein Probetübchen Pflegelotion für die Mama, ein Couponheft mit Rabatten auf Babyprodukte und vieeele viele Werbe-Postkarten für neue Pflegeprodukte. Solange es was umsonst gibt…

* Namen von der Redaktion geändert