Der Mann, der nach der Mona kam

Wie schnell die Zeit im Elternjahr vergeht, habe ich erst kürzlich schmerzlich feststellen müssen. Meine Freundin Mona*, deren kleiner Sohn Liam einen Monat jünger ist als Lene, hat nach einem halben Jahr ihre Arbeit als Vollzeitmama bereits wieder gegen ihre richtige Arbeit eingetauscht. Die andere Hälfte des Jahres wird ihr Verlobter Leo sich um Liam kümmern. Obwohl ich Leo sehr mag – er ist ein langjähriger Freund von mir – war ich zunächst etwas geknickt. Ein halbes Jahr lang war ich schließlich mit Mona in regelmäßigen Abständen spazieren gegangen. Dabei hatten wir uns über die vielen typischen frisch gebackenen Mamaprobleme ausgetauscht. Wir hatten über Windelgrößen gefachsimpelt, uns gegenseitig die besten Tricks zur Beikosteinfrostung verraten, uns unser Leid über Geber ungebetener Ratschläge geklagt, uns gemeinsam über das erste Zähnchen unserer Kinder gefreut und uns gegenseitig Mut gemacht, wenn die Entwicklungsschübe der Kleinen uns mal wieder nicht haben schlafen lassen. Und nun sollte das alles vorbei sein? „Du kannst doch auch mal mit Leo und Liam spazieren gehen“, hatte mich Mona zum Schluss zu trösten versucht. Aber ein Mann hat doch mit Sicherheit keine Lust, mit mir über Babykotze zu plauschen. Erst recht keiner, mit dem ich früher auf Festivals gefahren bin, den ich habe bei der Rocky Horror-Show-Party im Korsett und auf Highheels über den Laufsteg stolpern sehen und der in jeder Lebenslage das passende Manowar-Zitat parat hatte. Dennoch lasse ich mich schon kurz darauf auf das Experiment ein.

Lene ist noch skeptischer als ich. Sie lässt sich auch nicht von der babyspracheverstehenden Fassade des Onkels, der da in ihren Kinderwagen hineinlugt, täuschen. Da kann er noch so komische Grimassen ziehen und behaupten, der Liam würde darüber lachen! Sie fängt an zu heulen.

Wir versuchen es mit Alltagsgesprächen. „Ich habe gerade einen riesigen Topf Apfel-Bananen-Birnenbrei gekocht“, erzählt Leo. Und dann sind wir auch schon mittendrin im Austausch von Rezepten. Erbsen, Brokkoli oder eine Kombination aus Möhren und Gurke – im Prinzip, so die Quintessenz unseres Gesprächs, könne man ja alles, was sich Gemüse schimpft, durch den Pürierer jagen.

Während wir Lene und Liam durch den Park schieben, kommen wir von einem Thema ins nächste. Gebrüll beim Einschlafen, extralange Plastiklöffel, die auch in die Tiefen jedes noch so großen Breiglases vordringen und die Tatsache, dass Liam am Tag gut ein dreiviertel Kilo Essen wegmampft lassen mich zu dem Schluss kommen: So anders als mit Mona ist es ja eigentlich gar nicht. Mit Mittagsschlafzeiten, Windelinhalt und Babygequängel kennt er sich genauso gut aus. Als wir uns verabschieden, grinst Lene Leo an. Und wir alle wissen, was sie uns sagen will. Nämlich: „Mama, der Typ da ist akzeptiert!”

 

*Namen von der Redaktion geändert

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